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Gliwice

Ich erinnere mich genau an das erste gute Bild, das ich in Gliwice machte. Ich hielt die Kamera nur ein wenig geneigter als sonst, doch dieser Winkel war entscheidend um die Ästhetik der Bilder zu verändern, bzw. die Stadt so wiederzugeben, wie ich sie wahrnahm. Die ehemalige Bergbaustadt hat viele Ähnlichkeiten mit dem Ruhrgebiet, eigentlich sollte ich einen Doppelband daraus machen. Die Bilder sagen mehr als ich schreiben will:


Es sind meine besten Bilder, und meine letzten. Anschließend habe ich nur noch Typografiekurse belegt. Erst im Frühjahr 2008 hatte ich wieder Lust, ein Photobuch zu machen: Mallorca in der Nebensaison – wäre ein tolles Diplomthema gewesen.
In einer Wanderausstellung des Goethe-Instituts wurde eine Auswahl der Bilder in Deutschland und Polen gezeigt.

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Ansichten

Für mein erstes größeres Fotoprojekt an der Uni habe ich die Entwicklung eines Tanzstückes begleitet. Zusammen mit einer Amerikanerin und einem Italiener tanzte Diba ed Dik eine moderne Interpretation von ›Rotkäppchen‹. Sie war die Großmutter. Ihre Mimik ist großartig, ihr Humor überwältigend intelligent.

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Michal Matys

Ein Tag im Leben von Michal Matys, Tänzer an der Deutschen Oper am Rhein.
Es entstand ein Buch, in dem jeweils ein Foto von ihm, Michal, einer Stillfotografie gegenübergestellt wurde, ergänzt durch Zitate. Hier einige ausgewählte:

›Tänzer sind eitel. Das musst du sein. Nicht dass du dich kritiklos toll findest, dann wirst du hässlich, weil du nicht kritisch genug bist, aber wir beobachten uns immer im Spiegel und sehen, was wir besser machen können. Und wenn man sich scheiße fühlt, strahlt man auch Scheiße aus, als Tänzer musst du dich lieben.‹

›Es sollte mal einen Knopf geben. Du drückst drauf bist aufgewärmt. Einer hier hat sich mal einen Skianzug gekauft und darin trainiert. Er meinte, so sei er gut warm.‹


›Ich habe mich beworben und es waren sechzig Jungs und viele 28 oder 30 Jahre alt, und tanzten viel besser als ich. Ich frage mich, warum er mich genommen hat.‹

›Du musst hart arbeiten. Vielleicht bist du wenn du aufgenommen wirst nicht der Beste, aber wenn du fertig bist, dann bestimmt.‹

›Freizeit? Das ist nichts. Ich versuche mehr zu haben, aber es klappt nicht. Aber ich weiß, dass ich diesen Beruf nicht mein Leben lang mache.‹

›Tanzen hält jung, der Arzt hat mit das erklärt, Adrenalin hält jung, und das stoßen wir ja literweise aus. Wir haben viel Stress. Aber guten Stress, nicht so wie die Büroleute, die immer angespannt sind, sondern vor dem Auftritt und so.‹

›Gestern hatte ich wieder so einen Krampf, du tanzt und plötzlich fühlst du den Oberschenkelmuskel nicht mehr und fällst hin. Früher habe ich Angst gekriegt, heute lache ich darüber, dehne mir kurz den Rücken, höre wie die Bandscheibe zurück an ihren Platz springt und dann bin ich wieder dabei.‹

›Einmal haben Youri und ich gearbeitet und irgendwann sah er auf die Uhr und es war fünf vor zehn – er darf nur bis neun unterrichten, aber das war o.k., wir waren beide so vertieft – das finde ich gut.‹

›Ich will reich sein – nicht, um es zu zeigen, aber um nicht immer darüber nachdenken zu müssen, wie lange ich noch mit meinen Eltern telefonieren kann, oder um essen gehen zu können, das wäre schön.
Jetzt würde meine Mutter sagen: ›Schmatz nicht, wenn du isst.‹, Und das stimmt schon, ich habe ja alles.‹

›Es war schwierig vom Osten in den Westen zu kommen. Wenn ich sagte, ich käme aus Prag, guckten die komisch, aber wenn ich von der John-Neumeier-Akademie in Hamburg komme war es einfach.‹

›Ich tanze noch so zehn Jahre, dann bin ich kaputt, aber nur so kaputt, dass ich mich innerhalb von zwei Jahren wieder normalisieren kann. Du kannst auch länger tanzen, bis du fünfzig bist, aber dann gehst du in den Rollstuhl.‹

›Ich würde heute lieber allein trainieren – das Training ist so langweilig, alle machen das gleiche.‹

›Ja, vielleicht spiele ich manchmal zu aufgesetzt und übertrieben, aber Tanzen ist ein anderes Schauspielen als beim Film. Im Fernsehen wäre das zuviel, aber hier sitzen die Zuschauer 30 Meter weit weg, und die müssen ja auch merken, dass du gerade z.B. etwas gehört hast.‹

›So ist die Konsumgesellschaft, du willst immer mehr. Du siehst die Werbung für ›Febreze‹ und auf einmal denkst du, ›ja, mein Auto stinkt auch‹ und kaufst es. Und vorher konntest du gut ohne leben.‹

›Jetzt bin ich nicht mehr so nervös. Als ich anfing die Solorollen zu tanzen, war ich schrecklich nervös, jetzt bin ich konzentriert, aber viel entspannter, ich habe keine Panik mehr.‹

›Du kannst nicht jeden Tag zehn Stunden arbeiten, ich habe eine Zeitlang für zwei Theater getanzt. Aber ich wurde ständig krank, Fieber, Ekzeme an der Haut, mein Immunsystem brach zusammen.‹

›Ich wundere mich über diese Unentschlossenheit, für mich war immer klar: Tänzer.‹

›Kannst du über Schmerzen hinaus arbeiten? Wenn alles wehtut und du trotzdem fröhlich spielen musst? An den Tagen macht es echt keinen Spaß.‹

›Vor zwei Jahren habe ich einen Bandscheibenvorfall erlitten, seitdem trage ich keine Rucksäcke mehr, spare wo ich kann. Ich stehe zum Beispiel auf eine bestimmt Art und Weise auf, schließlich haben die Rückenmuskeln acht Stunden nichts getan, da muss ich vorsichtig sein.‹

›Youri kann sehr schön ohne Worte sprechen. Er ist ein guter Choreograph, er fordert die Leute und achtet aufs Schauspiel. Bei anderen musst du nur hoch springen, hier ist es viel mehr.‹

›Es stimmt schon, dass viele Tänzer schwul sind, Aber in anderen Berufen ist das auch so, die sagen es nur nicht. Wir sind den ganzen Tag zusammen, quasi nackt, da kann man das nicht verstecken.‹

›Wenn ich eine gute Kritik über mich in der Zeitung lese, schneide ich sie aus uns schick sie meiner Mutter nach Prag. Wenn es eine schlechte ist, aber konstruktiv und ich merke, der meint es gut mit mir, schneide ich sie aus und behalte sie und versuche an den Dingen zu arbeiten.
Wenn es eine schlechte ist, und ich merke derjenige hat keine Ahnung, dann schmeiße ich sie weg und lache darüber.‹

›Youri sagt immer, wir tanzen nicht für uns, sondern fürs Publikum. Und wenn ich mich in einer Pose wohlfühle, aber das Publikum nicht versteht, was ich sagen will, muss ich mich halt anderes hinstellen, oder anders gucken und spielen.‹

›Wenn ich bei der Premiere auf der Bühne stehe und die Leute klatschen und rufen ›Bravo‹, dann vergesse ich alles. Dann ist ein Jahr voller Schmerzen vergessen.‹

›Ich hab’ ein schönes Auto, eine schöne Freundin, eine schöne Wohnung – was will ich mehr?‹

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